Dreilandecho

Klatsch, Tratsch und Kulinarisches aus dem Dreiländereck zwischen Müllheim, Lörrach, Schopfheim, Zell, Todtnau und Feldberg

„Grauenhafter Lärm“: Die Kürnberger leiden

„Grauenhafter Lärm“: Die Kürnberger leiden

Kürnberg (hjh). Sie leiden unter dem Lärm rasender Motorrad- und Autofahrer. Vor allem an Wochenenden sei der Radau „ohrenbetäubend grauenhaft“, klagte die ehemalige Ortschaftsrätin Daniele Gempler bei der Sitzung ihrer Nachfolger, bei der am Donnerstag heftig diskutiert und debattiert wurde über einen ganzen Katalog voller Maßnahmen, wie das schon Jahre andauernde Verkehrsproblem nachhaltig in den Griff zu bekommen sein könnte. „Tempo 30 oder Schilder mit der Bitte, langsam und damit Lärm vermeidend zu fahren, bringen rein gar nichts“, schimpfte ein Zuhörer. Und Daniela Gempler fügte hinzu: „Mir graut es jetzt schon vor dem Juni, wenn die Grenzen geöffnet sind und die Schweizer kommen.“ Auch die nämlich erliegen nur zu gerne dem Reiz der Kurven (von Fahrnau hinauf nach Gersbach), die sie vor allem jetzt nach dem coronabedingten Zwangsentzug wieder in vollen Zügen genießen wollen, wie in Kürnberg vermutet wird. Entsprechend verzweifelt ringen die Ortschaftsräte mit ihrem Chef Peter Ulrich um praktikable Lösungen. Am liebsten würden einige gleich die ganze Straßenverkehrsordnung umkrempeln, um dem Spuk ein (endgültiges) Ende zu bereiten. Thomas Speier beispielsweise glaubt, dass die leidige Geschichte mit einer Sperrung der Strecke nach Gersbach „generell an Wochenenden wie am Schauinsland“ ein Ende finden würde, hat aber – wie Peter Ulrich betonte – nicht an die Mitbürger im Dorf gedacht, die den Sommer ebenfalls gerne auf ihren fliegenden Kisten genießen möchten, dann aber selbst auch nicht mehr den Berg hinauf donnern dürften.

Martin Gruner erinnerte daran, dass von den Behörden immer wieder intensive Kontrollen versprochen worden sind. Aber die Versprechen, so Gruner, wurden nie eingelöst. U.a. habe das Landratsamt und auch die Polizei mehrere Lärmmessungen und Radarkontrollen unter der Woche und an Wochenenden angekündigt. „Aber nichts ist passiert. Warum nicht?“, ärgerte sich der ehemalige Ortsvorsteher, der auch nicht verstehen mochte, dass das Landratsamt weitergehende Begrenzungen der Geschwindigkeit schon vor den Ortsschildern strikt abgelehnt hat. Auf den Zug sprang dann auch noch einmal Daniela Gempler auf: „Solche Regelungen gibt’s sogar an Bundesstraßen. Es gibt an der B34 zahlreiche Ortschaften, die mit Radarsäulen an den Ortsein- und ausgängen den Straßenverkehr wirksam abbremsen. Warum geht das in unserem Dorf an dieser bescheuerten Kreisstraße nicht?“ Michael Schmidt, „ein Gegner von zu vielen Schildern“, glaubt, dass die StVO alles auch ohne solche Schilder regelt, „es müssen sich nur alle an die Vorschriften halten.“ Da das lediglich über den Geldbeutel durchsetzbar zu sein scheint, sollen die Kontrollen intensiviert werden. Außerdem fände er Radarsäulen an den Ortseingängen „nicht schlecht, und wenn es nur Attrappen sein sollten.“ Gerold Schmidt legte einen Entwurf von Maßnahmen vor, die Kürnberg der Stadt und dem Landratsamt aufzutischen gedenkt. Darin ist die Rede von „Tempo 70 auf der gesamten Strecke zwischen Fahrnau und Gersbach“. Gefordert werden regelmäßige Lärm- und Geschwindigkeitskontrollen, Tempo 50 in „angemessenem Abstand schon vor den Ortsschildern“ und eben die Radarsäulen. Außerdem wird darum gebeten, das Aufbringen von Fahrradschutzstreifen zu prüfen, und zwar auf beiden Fahrbahnseiten, weil sich der Ortschaftsrat davon eine Signalwirkung erhofft, die Autofahrer zu vorsichtigerem Fahren ermutigen könnte. Solche Vorschläge brachten schließlich Siegfried Schmidt in Rage. Der ehemalige Gemeinderat reagierte sponten: „So einen Blödsinn kann und will ich mir nicht anhören“, sagte er, stand auf und ging frühzeitig nach Hause. So hörte er nicht mehr, wie Peter Ulrich den nun erarbeiteten Vorschlag an die Stadt um die Bitte ergänzte, alternative Radwege zwischen Kürnberg und Fahrnau zu suchen und auszuweisen und Mitglied der Landes-Initiative „Motorradlärm“ zu werden, zu der am 29. Juli 2019 im Musterländle der Startschuss fiel.