Dreilandecho

Klatsch, Tratsch und Kulinarisches aus dem Dreiländereck zwischen Müllheim, Lörrach, Schopfheim, Zell, Todtnau und Feldberg

Sterne sind auf Sendung – Gersbach auf Empfang

Sterne sind auf Sendung – Gersbach auf Empfang

Sterne sind auf Sendung – Gersbach auf Empfang

Gersbach (hjh). Ein „Juwel“, in das dank zahlreicher Sponsoren und dank ehrenamtlichen Engagements „nur“ rund 200000 Euro investiert werden mussten, erhält derzeit den letzten Schliff. Und schon bald greifen Schülerinnen und Schüler, Lehrer und die Schüler mitbetreuende Amateurastronomen von dort aus nach den Sternen, wo sie im Raum Schopfheim dem (Nacht-)Himmel am nächsten sind: von der inzwischen recht weit gediehenen Forschungs-, Projekt- und Schülersternwarte des Vereins „phaenovum“ im Gewann „Scherentann“ dicht neben einem weiteren prächtigen „Edelstein“, der Barock-Schanze.  Nach einigen Wochen Corona-Stillstand durften Vereinsvertreter und Monteure um Sternwarten-Projektleiter Hermann Klein am Mittwoch und Donnerstag endlich wieder in die Hände spucken. Die „Augen“ des Forschungszentrums wurden montiert, Teleskope, darunter ein 17-Zoll-Spiegel-Teleskop und weitere hochwertige Instrumente, die für die künftige, auf wissenschaftlicher Basis fußende Projektarbeit unerlässlich sind. Damit ist jetzt schon ziemlich „Feuer“ unterm Rolldach der Hütte, die im Herbst am (wegen Corona auf dahin verschobenen) „Tag der Astronomie“ offiziell in Dienst gestellt wird und in der Lehrkräfte und Schüler in den nächsten Wochen „möglichst viel praktische Erfahrung“ sammeln sollen, um schleunigst wieder die Projektarbeiten aufnehmen zu können, die wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten.

„Getauft“ wurden die Teleskope mit ihrem „Herzstück“, einem 20000 Euro teuren Spiegelteleskop PlaneWave CDK 17“ (43 cm Öffnung Öffnungsverhältnis f/6.8, Brennweite 3 m), der Tradition gehorchend in einer Nacht, in der auf ihnen erstmals das Licht der Sterne funkelte. „Der ‚First Light‘-Tag“, sagt Hermann Klein und strahlt, „ist ein ganz besonderer Tag in der noch jungen Geschichte der „staernwarte Gersbach“ (kein Druckfehler, die heißt so wegen des Vereinsnamens phaenovum). Zwei vorbereitende Jahre sind ins Land gegangen, seit sich das Schülerforschungszentrum phaenovum Lörrach-Dreiländereck“, zu dem auch die Sternwarte der Kaltenbachstiftung zählt, auf die Standortsuche gemacht hat. Ein Gelände in Inzlingen, das näher an Lörrach gelegen wäre, scheiterte am Votum der Jäger. Aber auch in Gersbach habe man dann „einen idealen Beobachtungsort“ mit geringer Lichtverschmutzung und bereits vorhandener intakter Infrastruktur gefunden, freute sich Hermann Klein und erinnerte daran, dass danach viel Überzeugungsarbeit in die Suche nach Sponsoren investiert werden musste. Stadt- und Ortsverwaltungen mussten mit ins Boot geholt, Ortschafts- und Gemeinderäte für die Ziele des Vereins gewonnen und für Projekte des Forschungszentrums begeistert werden, in dem Schüler seit über 15 Jahren Arbeiten im Bereich der Physik realisieren. Und zwar sehr erfolgreich, wie Hermann Klein betont: „Bei nationalen und internationalen Wettbewerben haben sie damit große Erfolge. Und in Zukunft werden sie nun dank der ‚staernwarte Gersbach‘ die Möglichkeit haben, mit hochwertiger Ausstattung Projektarbeiten mit astrophysikalischen Bezügen in Angriff zu nehmen.“

Obwohl Teamarbeit wegen der Pandemie-Beschränkungen aktuell noch nicht möglich sind, haben ein paar Schülerinnen von zuhause aus bereits damit begonnen, die Qualität des Himmels zu messen. Eine Kamera ist schon dabei, die Himmelskuppel über ihr Tag und Nacht zu fotografieren und Aufzeichnungen zu archivieren, die mit denen der Kaltenbachstiftung verglichen werden. Und für räumliche Nähe sorgt u.a. ein Amateurastronom aus Gersbach, der mit ins Team gehört, weil er eine Voraussetzung dafür erfüllt: „Er hat sich – ein Muss für alle, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind – bereits erklärt, mit Schülern und Lehrern projektbezogen zusammenzuarbeiten.

Die Sternwarte selbst kann im Bedarfsfall von Lörrach aus überwacht und ferngesteuert werden. Selbst das Rolldach ließe sich aus der Ferne öffnen und schließen. Und irgendwann, so Hermann Klein, wird es eine Webseite (http://www.staernwarte.de ) geben, auf der Bilder und interessante Ergebnisse der Projektarbeiten vorgestellt werden. Parallel dazu erfüllt die Schüler-Sternwarte natürlich auch das Versprechen, „öffentliche Beobachtungsabende für Gersbacher Bürger und andere“ einzurichten. Bis dahin aber wartet noch einiges an Arbeit auf die Helfer um Klein. Die laufenden Betriebskosten sind erfreulicherweise dank einer großherzigen Spende bereits für drei Jahre vorfinanziert. Nun gilt es, die Technik einschließlich der Bandbreiten des Mobilfunkanbieters in den Griff zu bekommen und die Restarbeiten (Fenster, Türen, Dachsteuerung und Dachsicherung) glücklich abzuschließen. Dann kann es losgehen. Die Sterne sind längst auf „Sendung“, bald ist Gersbach auf Empfang. Das wird für alle Beteiligten sicherlich eine ungemein spannende Geschichte.

Info

Unter dem Dach der Rolldachhütte werkelt eine Anlage, die noch vor Jahren nur Vollprofis vorbehalten war. Das oben schon beschriebene Teleskop, das von der Firma Baader-Planetarium geliefert, installiert und ein- bzw. ausgerichtet wurde, ruht auf einer Stahlsäule mit großer Tragkraft. Seine Steuerung übernimmt eine „parallaktische Montierung“, deren Aufgabe es ist, mit hoher Präzession die Himmelsrotation auszugleichen. Das Teleskop hat dank seiner Öffnung ein extrem hohes Lichtsammelvermögen und erlaubt es, Objekte in vielen Milliarden Jahren Entfernung zu beobachten. Es ist zudem an einen Spektrographen angeschlossen, der mit einem Reflexionsgitter das Licht eines Sterns oder eines anderen Objektes spaltet, um eine genaue Analyse der Komponenten des Lichts zu ermöglichen. Ein Linsenteleskop zur gezielten Sonnenbeobachtung ergänzt die hervorragende Ausstattung der staernwarte.