Dreilandecho

Klatsch, Tratsch und Kulinarisches aus dem Dreiländereck zwischen Müllheim, Lörrach, Schopfheim, Zell, Todtnau und Feldberg

Vogelhochzeit

Vogelhochzeit

Schopfheim (hjh). Besungen wurden „Vogelhochzeiten“ schon vor mehr als 500 Jahren. Beschrieben werden die Hochzeiten der Vögel aber immer wieder in sehr wechselhaften Geschichten, die im Jahr 1470 im Wienhäuser Liederbuch zunächst 37, später – nach Streichung von fünf zu stark „erotischen“ Texten – noch 32 teilweise wilde Strophen umfassten. Viele dieser Geschichten sind seit Sonntag im Museum der Stadt zu bewundern, wo neben teils ausgestopften Vögeln und anderen „Hochzeitsgästen“ nicht nur spannende Textpassagen, sondern auch Utensilien wie etwa ein Brautkleid, Kochtöpfe, Nachthemden, Stehkragen, Zylinder, Spazierstöcke, Pfeifen oder Stockflöten neben den obligatorischen Fotos, Kartenspielen oder Bilderbüchern an oft abenteuerliche Hochzeitsfeste erinnern. Dr. Ulla Schmid hat die Exponate zusammengetragen. Und sie hat viel Zeit und viel Herzblut investiert, um den Museumsgästen „Herkunft und Entwicklung des Liedes“ mit erläuternden Texten verständlich zu machen.

Bei der wegen Corona total abgespeckten „Vernissage“ ohne Gäste beeindruckte die Museumschefin mit einem verbalen Streifzug vorbei an Vitrinen, Glastischen und schmucken Wandgehängen, die mit erläuternden Texten zeigen, was mit dem Lied, das erstmals als „De Kuckuck und de Reigere“ (Reiher) nachweislich erwähnt wurde, im Lauf der Jahrhunderte passiert ist, bis es 1842 in der Sammlung Schlesischer Volkslieder von Hoffmann von Fallersleben in der heute noch bekannten Fassung auftauchte. Salonfähig hatte es drei Jahre zuvor Ludwig Erk gemacht. Seine Version der Vogelhochzeit stammt, so Schmid, aus Schlesien und wurde „1842 unter Weglassung der drei letzten erotischen Strophen“ quasi an die große Glocke gehängt, das heißt: veröffentlicht. Von Fallersleben habe dann „die erotisch gesäuberte Lied-Version“ übernommen, die in „ungesäuberter“ Variante leider nicht im Museum nachgelesen werden kann, obwohl Ulla Schmid dort eine wahrlich umfangreiche Schau präsentiert. An die „schlüpfrigen Texte“ ist sie aber nicht rangekommen. Der Säuberungsaktion aber sei es schließlich zu verdanken, dass die „Vogelhochzeit“ „als nun vollkommen unerotisches Lied“ Eingang in die deutsche Volkslieder-Kultur gefunden hat. Na also.

Unterstützt wurde sie dabei u.a. von Stefan Niefentaler aus dem Kleinen Wiesental und der Mannheimerin Rosmarie Wiegand, die ein paar aufwändig ausgestopfte Vögel zum gelungenen Gesamtwerk beisteuerten. Herkunft und Entwicklung seien der eine rote Faden, der sich durch die Ausstellung zieht, die „Vogelhochzeit“ als Rollenspiel der andere. Als Rollenspiel habe sich „eine 15-strophge Version“ aus der Sammlung des „Zupfgeigenhansl“ etabliert bzw. durchgesetzt. Unter die Hochzeitsgäste mischten sich auch einige wenige Nicht-Vögel, betonte Schmid und verwies auf zahlreiche Rollenspiele „rund um die Braut“, die von den Gästen oder Bediensteten erwartet oder den Gästen, darunter auch Nichtgefiederte, auf den Leib geschrieben wurden, vom Hochzeitslader angefangen über den Brautstuhl- oder Nachthemdbringer, den Ringbringer, den Koch (deshalb die oben erwähnten Töpfe), Fensterladen-Schließer, Schwätzer, Strumpfbringer oder Haubenbringer bis hin zum Verabschieder oder Festbeschließer.

Die Ausstellung ist bis Anfang September zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums unter der Überschrift „Tirilli-Tirilla“ unter Beachtung der geltenden Hygienevorschriften (u.a. Mund- und Nasenschutz sowie Abstand) zugänglich.