Zeller Bürgerverein bläst zur Attacke: “Eifach mache!”

Zell (hjh). Auf das übliche Erfrischungsgetränk zu Lasten des Bürgervereins mussten die Mitglieder bei der Hauptversammlung am Freitag im Pfarrsaal aus verständlichen Gründen verzichten, nicht aber auf die innovativen Gedanken und Ideen, die das komplett einstimmig gewählte Vorstandsteam um seinen Vorsitzenden Michael Gehri wie in der Vergangenheit auch in den nächsten drei oder vier Jahren an- oder umtreiben. „Weil Stillstand Rückschritt bedeutet, haben wir uns Ziele gesetzt, die wir mit ihrem Einverständnis auf jeden Fall umsetzen werden“, sagte Gehri, der die geplanten Aktivitäten seiner Mitstreiter an der Spitze des 384 Mitglieder zählenden Bürgervereins mit zwei Worten auf einen Nenner bringen und publik machen will: „Eifach mache!“

Geplant sei – nun mit dem einstimmigen Votum der Mitglieder im Rücken – in den nächsten vier Jahren nicht nur die begonnene Förderung von Vereinen und Institutionen (das waren im Jahr 2019 rund 30000 Euro und in den zurückliegenden zehn Jahren knapp 300000 Euro) fortzuführen, sondern – als „Leuchtturmprojekt“ – 100000 Euro in die Stadtentwicklung zu investieren mit dem erklärten Ziel, ein einheitliches Erscheinungsbild zu schaffen, das der Schwanenstadt – aus welchen Gründen auch immer – in der Vergangenheit nach und nach verloren ging. Die Stadt soll laut Michael Gehri „sauberer, schöner und attraktiver“ werden.

Dafür sei sein Verein bereit, tiefer als bisher in die Tasche zu greifen und die Rücklagen ein wenig anzutasten, die auf dem Bankkonto deponiert eh keine Erträge mehr bringen. Über 200000 Euro stünden dafür zur Verfügung. Und die würden sich in den jetzt beschlossenen vier Jahren um ungefähr 62000 Euro reduzieren, wenn sich die bisherigen jährlichen Einnahmen von rund 30000 Euro bestätigen, die Sponsorengespräche sich weiter so positiv entwickeln wie bisher und die Stadt wie von Bürgermeister Peter Palme am Abend der JHV erneut versprochen mit ins Boot bequemt. Weiter auf dem Zettel hat die Vorstandschaft, die in alter Formation antritt bis auf Oldie und Gründungsmitglied Peter Kiefer, der nach 29 Jahren der Jugend den Vortritt lassen wollte und für den deshalb Uli Merkle als zweiter Vorsitzender in die Bresche sprang, die Mitgliederzahlen im Fokus, die bis 2023 auf 450 Mitglieder gesteigert werden sollen. „Es lohnt sich Mitglied zu werden“, warb in seinen Grußworten auch Bürgermeister Peter Palme für „Neuzugänge“ in der Registratur von Kassierer Andreas Müller. Palme machte damit vor, was Michael Gehri so umgesetzt wissen wollte: „Wenn jeder der heute hier Anwesenden zwei neue Mitglieder wirbt, haben wir schon 50 mehr.“ Persönliche Ansprachen, Werbung in den Vereinen, die vom Bürgerverein mit Zuschüssen bedacht wurden und ein neues Flyer sollen die Anstrengungen unterstützen, die helfen könnten, das Ziel der Vorstandschaft zu realisieren. Schließlich, so Gehri, sei sein Verein finanziell bestens aufgestellt, mit Bürgerheim, Begegnungsstätte und betreutem Wohnen in über 90 (bezahlten) Wohnungen inzwischen hervorragend etabliert in der Stadt und genieße einen so guten Ruf, das Werbung „eigentlich problemlos“ zum Erfolg führen wird.

Es versteht sich von selbst, dass die anwesenden Mitglieder die Pläne ihrer Vorstandsmitglieder einstimmig gut hießen. Immerhin durften sie im Pfarrsaal mehr als zufrieden zur Kenntnis nehmen, was im Vorfeld der JHV alles geleistet wurde und wie gut Gehris Team die nun vorgesehene Neuorientierung des 1991 zur Förderung des Bürgerheimbaus gegründeten und 2012 zur jetzigen Form umgemodelten Bürgervereins vorbereitet hat. Nichts blieb da dem Zufall überlassen. Andreas Müller, der Finanzjongleur, rechnete „das beste Jahr, das wir je hatten“ ab. Und der Vorsitzende reihte u.a. die aus den Vorjahren bereits gewohnten großzügig „vergebenen Gelder“ oder den Weihnachtsmarkt beim Bürgerheim aneinander, erinnerte aber auch an die zusätzliche „Anerkennung der aufopferungsvollen Arbeit von Pflegekräften im Pflegeheim, der Sozialstation und der Hausarztpraxis von Dr. Koch“ mit 105 Essensgutscheinen. Außerdem sei der Bürgerverein aktuell noch dabei, notleidenden Vereinen, denen die gewohnten Einnahmen wegen der Pandemie weggebrochen sind, mit Soforthilfen unter die Arme zu greifen. „Insgesamt haben wir in zehn Jahren 248 Projekte finanziell bedient. Und ich glaub, das hat Zell und den Teilorten gut getan“, sagte Michael Gehri, der hofft, dass der Bürgerverein damit auch etwas zur Motivation der ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger beitragen konnte, ohne die es nicht nur im Vereinsleben der Stadt düster aussehen würde.

Wahlen

„Ich freue mich auf die nächsten drei Jahre“, gab Michael Gehri nach seiner 100-Prozent-Quoten-Wahl zu. Dem dürften zumindest insgeheim die übrigen Vorstandsmitglieder beigepflichtet haben, die ebenfalls ohne Gegenstimmen in ihren Ämtern bestätigt wurden. Einen Wechsel gabs lediglich unter Gehris Stellvertretern, weil Peter Kiefer, das einzige noch aktive Gründungsmitglied, nach 29 Dienstjahren das Handtuch geworfen hatte. „Ruhig, überzeugend und konstruktiv“ habe Kiefer mit dazu beigetragen, „dass unser Verein so dasteht, wie er dasteht“, lobte Michael Gehri seinen Stellvertreter, der von Uli Merkle ersetzt wird, der dem Bürgerverein aber als Ehrenvorsitzender erhalten bleibt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Nicole Brutschin, Lothar Müller, Matthias Kiefer, Jürgen Philipp und Manfred Schmittel fungieren wieder als Beisitzer, Caroline Gehri bleibt Schriftführerin, Andreas Müller „hütet“ weiter die Kasse und Brigitte Rümmele wird mit Uli Merkle den Vorsitzenden vertreten. Udo Bauer und Thomas Döbele wählten die Mitglieder ein weiteres Mal zu Kassenprüfern.

Grußwort

Peter Palme sah in der Neuorientierung des Bürgervereins „für die Stadt eine Chance, die Stadtentwicklung voranzubringen, die von Thomas Schmidt schon im Jahr 2018 angeleiert wurde. Aber ihm war auch klar: „Es gibt sehr viele Punkte, die angegangen werden müssen.“ Für ihn bedeute das Motto „eifach mache!“, den Menschen in der Stadt, aber auch der Verwaltung zu vermitteln, dass es an der zeit ist, „endlich anzufangen“. Sich selbst und seine Mitarbeiter sehe er in der Pflicht, Möglichkeiten auszuloten, die geeignet sind, an Fördermittel zu kommen. Insgesamt hoffe er als Bürgermeister „auf einen neuen Ruck durch alle Bevölkerungsschichten, durch Gemeinderat, Bürger und Vereine und nicht zuletzt eine neue Motivation, sich für die Stadt und die Menschen, die in ihr leben, ehrenamtlich zu engagieren. Auf alle Fälle sei das Geld des Bürgervereins in solchen Projekten gut angelegt. Aber es sei auch Geduld vonnöten, bis sichtbare Ergebnisse eventuell ´schon in diesem Jahr vorliegen. Die Stadt erwarte wegen Corona sechs- bis siebenstellige Einnahmeverluste. Deshalb bat Palme um Verständnis dafür, dass „nicht alles gleich machbar“ sein werde.