Dreilandecho

Klatsch, Tratsch und Kulinarisches aus dem Dreiländereck zwischen Müllheim, Lörrach, Schopfheim, Zell, Todtnau und Feldberg

Mit leisem Zischen durchs Wiesental

Mit leisem Zischen durchs Wiesental

Schönau (hjh). Wetter machte dem absolut lärmfreien Öko-Spektakel rund um die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) mehr als nur einen Strich durch die Rechnung. Alles fiel ein klein wenig kleiner aus als geplant. Trotzdem kamen die e-Motorräder aus Deutschland, Österreich und aus der Schweiz am Ende dann doch noch ganz groß raus. Und zwar nicht nur in einem drei-Minuten-Bericht in den SWR-Nachrichten am Sonntagabend, in der neben der Fröhnder Bürgermeisterin Tanja Steinebrunner („Es muss leiser werden, aber Straßensperrungen kommen bei uns nicht in Frage“) und dem Kürnberger Ortsvorsteher Peter Ulrich („Ich muss die extreme Zurückhaltung hiesiger Behörden in Bezug auf die Anordnung von Geschwindigkeitsbegrenzungen kritisieren“) auch ein paar Biker zu Wort kamen, die sintflutartigem Regen, einer deshalb um die Hälfte auf 40 Kilometer gekürzten Rundstrecke durchs Wiesental und der auf 20 halbierten Teilnehmerzahl zum Trotz das Fazit zogen: „Es hat Spaß gemacht. Und auch wenn die Einwohner der von uns besuchten Orte witterungsbedingt fehlten, konnten wir Menschen um uns herum eindeutig beweisen: Man kann auch ohne die Produktion von Lärm und Gestank Fahrspaß haben und die Natur genießen.“

Ein leises Zischen begleitete den Tross durchs Wiesental. Die Verkehrsteilnehmer, die das mitbekamen, staunten also nicht schlecht, wie lautlos dieser von den EWS organisierte «Electric Ride Schönau im Schwarzwald» (ERS) über die Bühne ging. Es klang durchaus glaubhaft, was eine Dame im Sattel eines dieser elektrisierenden „fliegenden Kisten“ unter „etwas anderen Wettervoraussetzungen“ am Ritt durch die Natur u.a. fasziniert: „Bei Fahrten durch die Landschaft hören wir die Vögel zwitschern.“ Dabei geht die Post auch hier mächtig ab. Das aktuellste Modell , eine „ZERO SR/F“, hat 110 Pferdestärken unter der Haube, beeindruckt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und schafft es von „Null auf Hundert“ in sagenhaften drei Sekunden. Rund 200 Kilometer weit führt die Reise, dann muss der Stromstecker irgendwo rein. An der Steckdose dauert der Aufenthalt 60 Minuten, dann kann es wieder losgehen zu dem nicht ganz billigen Vergnügen. Das Modell des amerikanischen Herstellers, der in Schönau mehrheitlich am Start gewesen ist, kostet etwas mehr als 20000 Euro. Für 21000 Euro ist der „Streetfighter“ aus Modena zu haben. Den flotten Italiener bringen 145 PS zügig auf Touren. Im Stadtverkehr bewältigt eine volle Batterie laut Hersteller bei moderater Geschwindigkeit rund 400 Kilometer, die sich bei Autobahnfahrten mit bis zu 200 Sachen auf gut die Hälfte halbieren, wobei ein Teilnehmer in Schönau darauf hinwies, dass diese Reichweiten nur zu schaffen seien, wenn man sein Fahrverhalten entsprechend anpasst und beispielsweise Möglichkeiten zum Windschattenfahren nutze. Im übrigen aber beteuerte er, dass er diese Art von Fragen nach möglichen Reichweiten „nicht mehr hören“ könne. „Die Reichweite reicht in Deutschland von der Küste bis zu den Alpen. Denn überall gibt es mittlerweile Steckdosen, an denen unsere Motorräder wieder flott gemacht werden können.“ Auch die „Neue“ im Bunde, eine „Schwedin“, mit der es um ein paar Nuancen gemütlicher auf Reisen geht. Das „Retro“-Modell aus Schweden, das seit Mai dieses Jahres auf dem Markt ist und für das laut ADAC etwas mehr als 10000 Euro zu berappen sind, schafft 150 Kilometer. Dann erwartet der 20 PS-Boliden eine Steckdosen-Pause. Auf die Notwendigkeit, tanken zu müssen, macht an diesem – so der ADAC – „optischen Leckerbissen, dessen Design an eine Yamaha SR 500 erinnert“, ein „gar nicht retro-konformes“ digitales Cockpit mit zeitgemäßem Touchscreen aufmerksam.

Sie sind also im Kommen, werden nach und nach salonfähig und begeistern die größer werdende Fan-Gemeinde mit schier unglaublichen Leistungen. Kein Wunder also, dass sich die EWS zu diesem Event motiviert fühlte, getrieben vom eigenen „Kampf für mehr Klimaschutz und für eine nachhaltige, bürgernahe Energiezukunft“. Man fühle sich geradezu verpflichtet, für eine „generelle Verkehrswende weg vom Lärm und CO2-Emissionen“ einzutreten und damit die Bemühungen zur „Stärkung ökologischer E-Mobilität jenseits von Kohle- und Atomstrom“ nachhaltig zu unterstützen. Immer drängender würden Lösungen zur Eindämmung des Motorenlärms gesucht. Die elektrische Mobilität könne entscheidend dazu beitragen, „die Lärmemissionen zu reduzieren, nachhaltige Mobilitätskonzepte umzusetzen und damit die Lebensqualität aller zu steigern“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am ERS bewiesen nach Ansicht der EWS, dass sich „Engagement für die Umwelt und Rücksicht auf andere durchaus mit dem vergnügen an einem interessanten Hobby sinnvoll verknüpfen lassen.“ Mit dem Event wollten die Herrschaften Veränderungen anstoßen. Und das, so die EWS, sei eine Haltung, die sich im Betrieb der Schönauer Stromer wiederfinde. Auch deshalb stellten sie der illustren Reisegesellschaft nach der Tour „grünen Ladestrom“ zur Weiterfahrt in eine hoffentlich rosige Zukunft bereit.