Hält es, was versprochen wurde? Das Verkehrskonzept fürs Hebeldorf eckt an

Hausen (hjh). Das hatten sich Bürgermeister Martin Bühler und die Planerinnen Anna Berger und Alexandra Diewald vom Büro „dwd“ sicher ein wenig anders vorgestellt. Gleich mehrere Gemeinderäte zeigten sich nach einer über Stunden dauernden Präsentation des „Verkehrskonzeptes Hausen im Wiesental“ bei der Sitzung am Dienstag in der Festhalle „enttäuscht“ von dem, was ihnen da „an unverständlichen Folien“ (Wernfried Hübschmann) vorgesetzt wurde. Ganz stark vermissten Gemeinderäte wie Dennis Vogt oder Annette Jehle sowie einige Zuhörende einen „Schulwegeplan“, um schließlich vom Bürgermeister zu hören, dass der „nicht Bestandteil des Auftrages an das Planungsbüro“ gewesen sei. Während sich Harald Klemm für die zur Umsetzung von vielen Maßnahmen notwendigen Genehmigungsverfahren und schließlich für die Kosten interessierte, die auf die Gemeinde zukommen könnten, wenn die eine oder andere Maßnahme umgesetzt würde (und auf seine konkrete Frage nur die Antwort erhielt, dass die Planer „keine Kosten erhoben“ hätten, weil das nicht Aufgabe der Konzeptentwicklung gewesen sei), gewann ein „von inhaltlichen Punkten schlicht enttäuschter“ Wernfried Hübschmann aus der Präsentation die Erkenntnis, dass „noch jede Menge Gesprächsbedarf“ bestehe und sein Fraktionskollege Hermann Lederer pochte auf eine Änderung der Beschlussvorlage, die ursprünglich lautete: „Das Verkehrskonzept wird zustimmend zur Kenntnis genommen“ und von der Verwaltung nach Lederers Protest ohne das Wort „zustimmend“ neu gefasst wurde: „Das Verkehrskonzept wird zur Kenntnis genommen.“ Von Zustimmung war denn auch keine Rede mehr.

Einig waren sich alle Ratsmitglieder, dass nichts von dem Konzept umgesetzt werden dürfe, ehe nicht eine allumfassende Bürgerbeteiligung stattgefunden hat. Das wieder sah auch Martin Bühler so, der dazu aufforderte, das Gehörte „erst mal ordentlich sacken zu lassen“, dann bevorzugte Themen oder Projekte herauszupicken und die dann zusammen mit den Bürgern umzusetzen versuchen. Notwendig sei eine „kurz-, mittel- und langfristige Priorisierungsliste“, betonte Martin Bühler, sichtbar enttäuscht über die Anmerkungen aus den Reihen der Zuhörer und des Ratsgremiums. Ihm sei klar, dass es im Nachgang „den einen oder anderen Aufschrei Betroffener“ geben würde und dass „ganz sicher nicht alle glücklich sein werden mit dem, was sie zu hören und zu sehen bekommen.“ Die Verwaltung sorge allerdings dafür, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger ein Bild machen können, um was es in dem Verkehrskonzept gehe. Dazu werde auf der offiziellen Webseite Hausens die komplette, im Gemeinderat nun vorgestellte Präsentation mit den ermittelten zahlreichen Verkehrsproblemen im Ort und den aufgezeigten Lösungsempfehlungen, Ergebnisanalysen in den Bereichen „ruhender Verkehr“, „Fußgänger“, „Radler“, mangelhafter „Beschilderung“ sowie „Verkehrsberuhigung“ veröffentlicht. Zu finden sind in der Präsentation Vorschläge zur Verbesserung für „zu Fuß Gehende“ wie etwa Absenkungen der Bordsteinkanten, Querungshilfen – darunter eine Lichtsignalanlage für Fußgänger in der Mitteldorfstraße, die es den Planern ganz besonders angetan zu haben scheint, aber nur unter erheblichen Schwierigkeiten (Gehwege vollständig in Privatbesitz usw.) realisiert werden könnte – und jede Menge Vorschläge, wie Radfahrer beispielsweise durch die Installation einer Fahrradstraße im Bereich Bergwerkstraße Süd / Burichweg, durch Geschwindigkeitskontrollen mit entsprechenden Sanktionen, regelmäßigen Kontrollen durch den Vollzugsdienst, durch Sperrflächenmarkierung zur Freihaltung der Kreuzungsbereiche, durch die Ausweisung von Pendlerrouten dem normalen Straßenverkehr gegenüber bevorrechtigt und dadurch vor den trotz Tempo 30 im ganzen Dorf rasenden Autofahrern so geschützt werden können, wie das in Freiburg auch gelungen sei. Wobei sich Harald Klemm bemüßigt fühlte, darauf hinzu weisen, dass das Beispiel Freiburg auf keinen Fall mit Hausener Verhältnissen zu vergleichen sei, weil dort „ein ganz anders Publikum“ verkehre.

Laut Planern fehle in Hausen so gut wie alles. Fahrradabstellanlagen werden vermisst vor allem beim Rathaus, bei der Festhalle und auf dem Schulhof. Es fehle an eBike-Ladestationen und am Bahnhof Fahrradboxen, die wie alles andere dazu dienen, „den Radverkehr wie gewünscht attraktiver zu gestalten“, was die Planerinnen „für äußerst erstrebenswert“ halten, auch weil die Umsetzungskosten „überwiegend verhältnismäßig gering“ ausfallen würden, was nicht zuletzt auch für „dringend notwendige ordnende Maßnahmen“ im ruhenden Verkehr gelte, der großes Konfliktpotential in sich berge, die durch verkehrswidrig abgestellte Fahrzeuge erzeugt oder verstärkt werden.

Am Ende brachte Anna Berger ihre Ausführungen auf den Punkt, indem sie all das, was sie zuvor im Detail erläutert hatte, nochmals in Kurzform aufzählte und auf zahlreiche Fördermöglichkeiten aufmerksam machte. Sie forderte dazu auf, einen Schulwegeplan zu erstellen und zeitnah zu realisieren und die Maßnahmen umzusetzen, die durch verhältnismäßig geringen Aufwand positive Effekte erzielen könnten. Und sie stellte „weitreichende Verbesserungen der Hausener Verkehrssituation in Aussicht, wenn alle empfohlenen Maßnahmen unabhängig voneinander nach und nach realisiert werden.  Schnellstmögliche Verbesserungen aber seien zu erwarten, nachdem die empfohlenen Maßnahmen unter Einbeziehung der jeweiligen Verkehrsbehörde in Angriff genommen würden. Dazu zählen die Neuorganisation des Parkens mit Markierung von Parkflächen und der Einrichtung eingeschränkter Halteverbotszonen, die Markierung von Sperrflächen in Kreuzungsbereichen, ein Geschwindigkeitstrichter (schon vor dem Ortsschild 100 – 70 – 50 – 30) an der Maibergstraße (weil sonst auf der engen Straße vom Maiberg runter ins Dorf anscheinend mit Tempo 100 runtergekesselt wird) und die ohnehin bereits beschlossene „Verkehrsberuhigung in der Hebelstraße“ sowie der Asphaltierung des Radweges von Zell nach Hausen, die eine Zuhörerin zum Widerspruch reizte: „Dort wird jetzt schon wild gerast. Und als ich einen Radfahrer darauf ansprach, wurde mir entgegnet: Halt den Mund, du blöde Kuh.“