Nach einem Jahr zum Vergessen: Stadtmusik nimmt neuen Anlauf

vlnr. Stefan Mauthe, Daniel Kummerer, Peter Palme, Philipp Kaiser und Hans Martin Welte

Zell (hjh). Viel lief nicht in einem Jahr zum Vergessen. Zumindest musikalisch hatte die Stadtmusik 2021 gezwungenermaßen nicht viel vorzuweisen. Das jedenfalls spiegelte sich bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstag im „Löwen“ in den Berichten wider, mit denen das Vorstandstrio Daniel Kummerer, Philipp Kaiser und Karl Martin Welte endlich einen Schlussstrich ziehen konnte unter ein weiteres unverschuldet unrühmliches Kapitel der über 180jährigen Vereinsgeschichte. Geblieben sind recht unangenehme Erinnerungen an Proben für Konzerte und Auftritte, die dann meist kurzfristig wieder abgesagt werden mussten. Und es kam sicher nicht von Ungefähr, dass Ralf Klauser, der Dirigent der Jugendkapelle, versicherte: „Vor allem für die 23 Mitglieder des Jugendorchesters war es mehr als frustrierend, wenn ihre Auftritte entweder verschoben wurden oder komplett ausfallen mussten.“

Ähnlich trist blickte Dirigent Markus Götz auf eine Zeit zurück, an die er „eigentlich gar nicht mehr denken“ wollte. Götz freute sich, dass die Stadtmusik fürs „Open Air“-Chilbikonzert ein Zeitfenster gefunden hatte, das ein Platzkonzert erlaubte und viele Gäste auf dem Rathausplatz begeisterte. Dann riskierte er einen Blick nach vorn: „Toll, wir proben wieder“, sagte er und appellierte an die Aktiven unter den Versammlungsteilnehmern: Gehen wir mit verstärkter Kraft in eine hoffentlich bessere Zukunft!“ Das hat auch der Nachwuchs vor. Jugendleiterin Sabine Rudiger und Dirigent Ralf Klauser haben das Sommerfest im Juli dieses Jahres, einen Austausch mit Jugendorchestern in der Schweiz, die Fortführung der sehr erfolgreichen Kooperation mit der Grund- und der Musikschule im Visier und waren sich einig: „Bei der nächsten Jahreshauptversammlung werden sie in unseren Berichten ganz viel mehr zu hören bekommen.“

Die Finanzen

Finanziell kam die Stadtmusik mit mehr als nur einem blauen Auge über die Runde. Kassierer Maximilian Kaiser schrieb „nach einem weiteren Jahr, in dem wir einen absoluten Sparkurs fuhren“, schwarze Zahlen. Er betonte aber auch, dass das positive Ergebnis sicherlich nicht den Erwartungen der Stadtmusik entspricht, die in erster Linie wegen der Pandemie ihre Personalkosten erheblich reduzieren konnte. Und das, so Kaiser, sei ganz und gar nicht dem, was sich der Verein auf die Fahne geschrieben habe.

Die Zukunft

Die Jugend plant, im Herbst das Leistungsabzeichen in Bronze zu erspielen. Im Sommer nimmt eine Gruppe in Staufen das Silberabzeichen in den Fokus und zwei Jugendliche wagen sich im Herbst an die Prüfungen zum Goldenen Leistungsabzeichen. Ende November hat Jugendleiterin Sabine Rudiger wieder einmal ein Jugendvorspiel auf dem Zettel. Und selbstverständlich freuen sich alle – auch die Aktiven – schon riesig auf das Sommerfest „rund um den Rathausplatz“, die Reise nach Embrun die im vergangenen Jahr abgesagt werden musste, und schlie0lich auf das Chilbikonzert, das im Oktober im traditionellen Rahmen geplant ist und „hoffentlich auch ohne Probleme“ stattfinden darf. Die Hoffnung darauf teilen sie sich mit Bürgermeister Peter Palme der sich mit den Musikern „auf einen veranstaltungsreichen Sommer 2022“ freut und Überlegungen in Aussicht stellte, wie das heuer erneut ausgefallene Städtlifest „wiederbelebt“ werden könnte, weil – damit war sich Palme mit Hans Martin Welte einig – „es einfach nicht sein darf, dass dieses traditionsbehaftete sang- und klanglos untergeht.“

Schließlich unterstrich auch FGZ-Präsident Peter Mauthe seine Hoffnungen auf ein wieder normales fastnächtliches Treiben in der Schwanenstadt, an dem die Stadtmusik mitwirkt, weil „eine Fastnacht ohne Musik nur eine halbe Fastnacht ist.“ Und Passivmitglied Werner Schute steuerte zum Abschluss der Versammlung noch seine persönlichen Eindrücke vom Leben in der Stadtmusik bei: „Ich bewundere, wie die Werte auch im Bezug auf die kameradschaftlichen Kontakte untereinander hochgehalten werden. Schön, dass es die noch gibt in unserer Gesellschaft“, lobte Schute und meinte: „Für mich hat es sich gelohnt, heute hier gewesen zu sein und dass ich das, was ich hörte, als Multiplikator nach außen tragen darf. Das Leben ist halt doch noch lebenswert.“

Info

Die Stadtmusik hat derzeit 366 Passivmitglieder. Das Aktivorchester zählt 43 Musiker:innen, 37 Jugendliche werden ausgebildet und 20 Männer und Frauen haben den Ehrenmitgliedsstatus.

Ehrungen

Stefan Mauthe erhielt für zehnjährige Treue zum Aktivorchester das Ehrenzeichen in Bronze. Philipp Kaiser ist seit 30 Jahren aktiv dabei und ist zudem noch seit vielen Jahren im Vorstand vertreten. Dafür bedankte sich die Stadtmusik jetzt mit dem goldenen Ehrenzeichen. Schließlich wurde Hanspeter Kummerer nach über 45 überaus aktiven Vereinsjahren, darunter allein 22 Jahre als zweiter Vorsitzender der Stadtmusik, als Aktivbeisitzer in den Ruhestand verabschiedet. Sein Posten bleibt vorerst ungesetzt, weil kein Nachfolger gefunden wurde.

Wahlen

gleichberechtigte Vorstände – Daniel Kummerer, Philipp Kaiser und Karl Martin Welte, Kassierer – Alexander Kaiser, Schriftführerin – Elena Schöne, Materialwartin – Sandra Metzger, Notenwartin – Giuseppina Nuciforo, Jugendleiterin – Sabine Rudiger, Wirtschaftsorganisator – Gerhard Kummerer, Passivsprecher – Johannes Berger