Gerhard-Jung-Preis: Mundartsplitter vom Nachwuchs

Auf dem Foto Preisträger und Jury vlnr. Catharina Müller, Kathrin Ruesch, Ingrid Ruesch, Peter Palme, Markus Manfred Jung, Heidi Zöllner, Christoph Greiner und Timo Weber-Blaser

Zell (hjh). „Bleibt gesund und bleibt Jung mit großem J“, gab Bürgermeister Peter Palme schweißtriefenden Zuschauern und Preisträgern des 7. Gerhard-Jung-Wettbewerbs, der nach pandemiebedingtem Ausfall 2021 am Freitag im neu renovierten, „(un-)gemütlich warmen“ Pfarrsaal mit Verspätung stattfinden konnte, mit auf den Heimweg. Zuvor sahnten die aus den Vorjahren üblichen, hochtalentierten „Verdächtigen“ wie Catharina Müller oder die Schwestern Kathrin und Ingrid Ruesch die Preise ab. Aber erfreulicherweise setzten sich bei diesem Wettbewerb gleich mehrere Schulklassen mit teils eigenwilligen, teils sehr originellen Mundart-Dichtungen und sprachlichen Spielereien oder – wie etwa die Grundschulklasse 2A der Gerhard-Jung-Schule – mit einer tollen musikalisch-alemannischen „Fahrt durchs Städtli“ à la „schwäbische Eisenbahn“ bei der Jury überzeugend durch.

Nein, die Mitglieder der Jury hatten es nicht einfach. Markus Manfred Jung (Lyrik), Heidi Zöllner (Prosa) und Dr. Timo Weber-Blaser als Lehrer der MORZ und Vertreter der Stadt hatten unter sehr vielen, qualitativ hochwertigen Einsendungen mal wieder die berühmte Qual der Wahl. Aber sie mussten da durch, wenn sie den Wunsch des Ehrenbürgers, Heimatdichters, Liedermachers und Autoren von aufsehenerregenden Stücken wie dem „Tag im April“ erfüllen wollten, die Mundart hochzuhalten und den Nachwuchs ins Bemühen um den Erhalt der Muttersprache nachhaltig einzubinden.

Über 50 Jahre war der überaus heimatverbundene Gerhard Jung als „stolzer Trachtler“ Mitglied der Trachtengruppe Zell. Natürlich würdigte Trachtengruppenchef Christoph Greiner ausführlich Jungs Verdienste um Muttersprache. Noch immer sei seine Organisation „stolz, einen eigenen und sehr erfolgreichen und beliebten Mundartdichter in seinen Reihen gehabt zu haben. Das habe dem Verein viele, sonst verschlossene Türen geöffnet und Auftritte der Tanzgruppen weit über Zells Grenzen hinaus erlaubt. Nicht zuletzt deshalb sei er „froh und dankbar über diesen Wettbewerb“, dessen regelmäßige Organisation die Stadt „ganz in unserem Sinn“ übernimmt.

Nun aber zu den Preisträgern, die ein Jahr länger als üblich auf die Prämierung ihrer Arbeiten warten mussten. Den dritten Platz in der Sparte Prosa ergatterte Catharina Müller mit ihrer bewegenden „Summer“(Sommer)- Geschichte. Mit einem „Anerkennungspreis“ lief sich die Hebelschule Schliengen quasi schon mal „warm“, denn nach der Klasse 6B („erweiterte Hebelgedichte“) erhielten die Klassen 7B mit „Gedichten und Geschichten“ noch einen zweiten und die Klasse 7A mit einem „Kalender“-Lied schließlich einen der begehrten ersten Preise in der Sparte Schule, den am Ende auch eine quicklebendige Rasselbande (Klasse 2A) der Zeller Gerhard-Jung-Schule mit einer herzerfrischenden Fahrt begeisterter Reisender „durchs Städtli“ à la „Schwäbsche Eisenbahn“ gewann.

Die badisch-sympathische “schwäbische Eisenbahn” nach der Fahrt durchs Städtli

Von der Stadt Zell, der Muettersprochgesellschaft, Banken und Sparkassen gesponserte Einzelpreise gingen an Kathrin Ruesch (2. Platz Sparte Prosa für „Lumbesammler un Nagedeerer“, Catharina Müller (2. Platz Lyrik für „Mi Herz“ und „nomol“ an Ingrid Ruesch (2. Platz Lyrik für ihre Geschichte „nomol“. Einen Einzelpreis in der Sparte Prosa erhielt (in Abwesenheit) Valo Christiansen, welche die Jury mit ihrer nostalgischen Geschichte „nooch dere ganze Zit“ überzeugte. Und am Ende setzte sich auf einem ersten Platz noch einmal Kathrin Ruesch mit Texten über „Glehwürmle im September“ und mit „Zukunftserinnerungen“ durch.

Peter Palme blieb nach den beeindruckenden Lesungen und Vorträgen das Schlusswort vorbehalten. Der Wettbewerb habe „die Lebendigkeit der alemannischen Mundart sehr gut dargestellt“, fand der Bürgermeister und versprach: „Gerne wollen wir diese inzwischen zur Tradition gewordene Veranstaltung wieder im normalen Rhythmus in drei Jahren fortführen“, versprach er und lud die schon wegen der Hitze im Saal dahinschmelzende Gesellschaft zu Häppchen und Getränken „an die Fensterfront des Pfarrsaals“ ein.

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