Salsa-Samba-Sause in Schopfheims guter Stube

Teenie-Idol Alvaro Soler begeisterte beim einzigen ausverkauften Konzert des Sommersounds. Foto: Ines Bode

Von Ines Bode

Schopfheim. Keine Minute geprobt, und doch hat der Chor tausender Stimmen gesessen: Déjala Que Baile, zu deutsch „Lass sie tanzen“, schmetterte es gen Bühne, auf der Alvaro Soler beim einzig ausverkauften Konzert des Sommersounds den Chorleiter gab.

Es war die Salsa-Samba-Sause schlechthin, die auch mit Reggae auftrumpfte. „Te Busqué“ war auch so ein Stück, „Ich habe nach dir gesucht“, bei dem es sich herrlich mitsingen ließ. 3000 Fans, zuzüglich jener 500, die geschätzter-weise als Begleitung ihrer minderjährigen enthusiastischen Alvaro-Fanatiker auftraten, sorgten für eine echte Party. Der deutsch-spanische Popstar hat weltweit viele Fans. Kaum bringt der Mann einen Song raus, folgen ihm Schwärme von Anhängern. Teilweise sind die Fans so klein, dass sie unter der Absperrung durch schauen statt drüber. Und manchmal sind sie derart aufgeregt, vor allem bei Live-Konzerten, dass sie einfach umfallen. Womöglich spielte die halbstündige Verspätung hinein.

Kreischalarm auf Gefahrenstufe “ROT”

Der geübte Blick des Sängers erkannte von der Schopfheimer Bühne aus den plötzlichen Notfall, der noch ein zweites Mal eintreten sollte, und die bereit stehenden Rettungskräfte aktiv werden ließ. So gab es wohl erstmals beim Sommersound einen zweiten Start. Los gings mit „Solo Para Ti“, „Solo für dich“, einer der jüngsten Senkrechtstarter, den er mit DJ Topic schmiedete. Das gilt auch für „Mañana“, trocken übersetzt mit „Morgen“, wobei der Inhalt Kinderlied untauglich ist. Binnen Wochen fuhr das Stück auf dem musikalischen Internetkonto Millionen ein. Immer noch am Klettern ist der Kurs bei Solers größtem Hit „Sofia“, der mit 800 Millionen Klicks die rare Milliardenmarke anpeilt. Wie es dazu kommen konnte, ist bekannt, sei aber des Spaßes halber erwähnt: Ein Typ mit Gespür aus dem Gefolge einer gewissen Jennifer Lopez weilt in Italien, hört täglich den Song, und gibt der Chefin Bescheid. Das war 2015. Soler wurde über Nacht zum Star mit „El mismo sol“, „Die gleiche Sonne“. Das Video mit J. Lo entstand in New York, Live-Auftritte folgten in Las Vegas und Miami. So hatte er halb Lateinamerika in der Tasche bevor es hierzulande jemandem auffiel. Der Sonnensong erklang auch in Schopfheim, leider nur als nüchterner Kamillentee-Aufguss, was die Fans eben nüchtern reagieren ließ. Umso heftiger fiel das Echo bei besagter „Sofia“ aus, die erst als späte zweite Zugabe kam. Zuvor hob Mitsingmaterial wie „La Cintura“, Solers dritter Hit, mit viel Choruspotenzial die Stimmung. Da hatten sich die Zumbastunden doch gelohnt: „Bailando, bailando“. Leicht akzentuiert, sprich zackig, kam „Amor Para Llevar“ daher. Solo am Keyboard und solo sitzend am Bühnenrand wurden leise Nummern „En Tu Piel“ und „Alma De Luz“ performt. Ohne Energieverlust stimmte die Masse beim Reggae-lastigen „A Contracorriente“ oder auch „Diferente“ ein. Zwei Duette, und im letzteren hält Bruder Greg Taro im Original mit, der den Support bestritt und durchaus Hitverdächtiges präsentierte. Die Krönung kam natürlich als Soler erst die am Bühnenrand Gedrängten persönlich begrüßte, und später ein ausgiebiges Bad in der Masse nahm: Da ertönte Kreisch-Alarm auf Gefahrenstufe „Rot“.