Geschichte der Zeller Fasnacht hat eine Plattform

Christian (vorne) und Jeannot Weißenberger begeisterten die alemannischen Fasnächtler mit alemannischen Liedern
 

Zell (hjh). Der „Entzug“ ist zu Ende, die Zeller haben wieder viel Grund zur Freude. Nach dem Dorffest in Atzenbach, dem Spektakel der Schrätteli am Schwanenweiher und dem verkaufsoffenen Sonntag mit dem Fest der Stadtmusik stand am Sonntag das nächste gesellige Highlight im Veranstaltungskalender, das jede Menge Zeller in vollen Zügen genossen und auf das sie wegen der Pandemie zwei Jahre lang verzichten mussten: der „Förderverein Fasnachtshus“ lud am Sonntag zum Hock rund ums Museum in der Schönauer Straße ein – und landete mit der Einladung auf Anhieb wieder einen Volltreffer.

Die Zeller Fasnacht schreibt seit 1627 an einer ebenso erfolgreichen wie bewegten Geschichte. „Und die ist es wert, der Nachwelt erhalten zu werden“, glauben die Narren der Stadt. 2005 übernahm die Fasnachtsgesellschaft ein Anwesen in der Schönauer Straße, restaurierte es und baute es danach um, um darin Utensilien wie Kostüme, Schnitzereien, Fasnachtszeitungen, Fahnen, Antiquitäten, Musikinstrumente, Bilder, Fotos, Zeichnungen und Plaketten zu lagern. Kurz: die Schätze ruhmreicher Vergangenheit wurden archiviert. „Zu schade“, fanden ein paar Engagierte, darunter ehemalige Präsidenten wie Helmut Mond oder Rudolf Philipp sowie alte Fasnachts-Ikonen wie Alfred Knauber, Herbert Roll, Rainer Agostini, Kurt Räuber und nicht zuletzt Peter Zluhan. Die Herren gründeten 2012 einen Förderverein, spuckte mit vielen Freunden und Gönnern in die Hände und begannen – unterstützt von zahlreichen Spendern – , das Haus auf Vordermann zu bringen. Ein Museum wurde eingerichtet, Führungen wurden organisiert und durchgezogen. Das Juwel der Zeller Fasnacht entwickelte sich zum Magneten für Fasnachtsnarren im In- und Ausland und gehört inzwischen zu den ersten Adressen, wenn es darum geht, die Geschichte der Fasnacht nicht nur in Zell, sondern auch im Dreiländereck, in der Schweiz oder in Frankreich zu begreifen oder aufzuarbeiten.

Über 150000 Euro haben Förderverein und Fasnachtsgesellschaft in das Kleinod investiert. Ein schmuckes Haus ist entstanden, ein Museum mit zehn Räumen, verteilt über drei Etagen. Die Ausstellungsräume sind längst fertig, eine Küche wurde eingebaut. Und aktuell sind die Mitglieder des Fördervereins dabei, die Kellerräume zu renovieren und die Decken zum Erdgeschoss hin thermisch so zu isolieren, dass die Räume darüber nicht zu sehr auskühlen. „Derzeit müssen wir einen Großteil der Mitgliedsbeiträge in den Gebäudeunterhalt investieren“, sagt Kassierer Rainer Agostini, der die Gelder von 83 Mitgliedern („es könnten ruhig ein paar mehr werden“) und Spenden großzügiger Freunde der FGZ und des Hauses verwaltet. Außerdem stünde demnächst ein weiteres größeres Projekt an: die Sanierung des Außenbereiches, die ebenfalls nicht für „nen Appel und nen Ei“ zu haben sein wird. Etwas Luft verschafft da wohl der Kassensturz, der nach dem Fasnachtshus-Fest am Sonntag fällig wurde, das nach zwei Pandemiejahren erstmals wieder rund um das FGZ-Haus wieder stattfinden konnte und bei dem die Küchen vieler Zeller kalt blieben, weil die Aktiven des Fördervereins und der FGZ mit Präsident Peter Mauthe an der Spitze Schnitzel, Kartoffelsalat, Grillwürste, Kaffee und Kuchen sowie feine Tröpfchen vom aufgebauten Weinbrunnen servierten, während zunächst die „Wildsaumusik“ zum Frühschoppen auf die Pauke haute und danach die „Knastbrüder“ Christian und Jeannot Weißenberger mit herrlichen alemannischen Liedern für erstklassige Unterhaltung sorgten.

Natürlich fanden auch Führungen durchs Museum statt, Exkursionen, die der Förderverein von September bis zum Beginn der Fasnacht 2023 wieder anbietet, „am liebsten für Gruppen bis 30 Personen“, wie Peter Zluhan sagt, ohne den – und das betonten beim Pressegespräch am Sonntag Rainer Agostini und Beisitzer Karl Kiefer unisono – „es unser Fasnachtshus ganz sicher nicht geben würde.“ Zluhan wies zudem darauf hin, dass nicht nur viele Schweizer Freunde oder Fans aus dem Elsass „Kunden“ der FGZ sind, sondern dass in Kombination mit Angeboten lokaler Gastronomen vom „Wilden Mann“ oder vom „Löwen“ auch Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern organisiert werden können. Anmeldungen zu solch unvergesslichen Events sind möglich über die Rufnummer +49 7625 924080 oder über die Mailadresse peterzluhan0@gail.com.