„Alemannisch isch uff em Rückzug“

“Dialäktdichteri us em Hotzewald”: Sandhya Hasswani. Foto: Ines Bode

Enkenstein. „Alemannisch ist uffem Rückzug“, bedauert Heinz Siebold, weshalb der gebürtige Enkensteiner 2019 mit Markus Manfred Jung die Mundartveranstaltung „Alemanne-Gipfel“ initiierte – und wie der Misere zum Trotz ging es bei der jüngsten Ausgabe auf dem Bruetschi-Hof überwiegend heiter zu.


Damit der Dialekt nicht weiter verschwinde, müsse man ihn “die Enkel lehre”, wies Siebold in seiner Rolle als Moderator hin, um anschließend auf „die Löcher“ im Alemannischen zu kommen. Solch ein sprachliches Manko sei, dass es kein „Ich liebe dich“ gebe. Zwar gebe es ein „I ha di gärn“, das könne man aber auch zum Hund sagen. Ein kollektiver Lacher, der an dem Abend zum wiederholten Mal das Publikum amüsierte. Ein „Herzliches Willkommen“ sandte Klaus Brutschin eingangs den Gästen der „Heubühni“, die überraschenderweise nicht ausverkauft war. Gleich nebenan im Nachbardorf Wieslet verbrachten die Freigänger (Siebold), besser bekannt als „Knaschtbrüder“, ihre Kinder- und Jugendtage. Erlebnisse werden von Jeannot und Christian Weißenberger in Liedern thematisiert. Es erklang manch Lobgesang aufs Tal, darunter die Hymne des legendären Roland Hofmaiers: „Im Wisetal, da schwätze mir, wie d‘ Schnurre gwachsen isch“. Eine witzige Ode und darüber hinaus im Contrystil folgte mit „Es git chei Ort, wo Bölle heißt“, der hörbarer Applaus galt. Ebenso beklatscht wurden „Urlaub am See“, am Eiemer See wohlgemerkt, und regionale Hits wie „De Hai blibt deheim“, „Adelhuuse“ oder „Alles in de Finke“. Lustiges reihte sich an Nachdenkliches, „Alemannisch Sproch, was hän sie mit dir g’macht?“, das galt auch für Carola Horstmann aus Denzlingen. „Das Muschter“, wie sie sich selbst bezeichnet, stammt aus Zell, was sich in ihren Büchern niederschlägt. Ausgerüstet mit einem „Schutzengel“ begab sie sich im Zeller Bergland einst auf rasante Abfahrt auf Rollschuhen. In ihre Fahrkünscht hatte sie großes Vertrauen und in ihre Rollschueh auch. „Tschau Bella!“, heißt eine andere Geschichte, deren Inhalt bis heute aktuell ist: Gewidmet den Idaljänern, unseri erschte Gaschtarbeiter. „An de gröschte Krüzig vom Stedtli gschtande, im Rucke d Abedeek mittem Türmli un visavis de herrschaftlig Löbe, un hän gluegt: de Auto nooch, de Lütt. Des hät mer bi uns so nit kennt, aane stoh, numme zum go luege, un bal hät dä Treffpunkt e Name kriegt: Latschari-Platz. Jede im Stedtli hät gwüsst, wie des gmeint isch. Numme d Idaljäner nit. Si hän jo kei Dütsch gschwätzt“. „Unter mine Füeß“, lautet der Titel der CD der Mundartverfechterin, die „unheimlich produktiv“ sei, befand Moderator Siebold. Deutsche, dänische und indische Wurzeln hat Sandhya Hasswani, die im Hotzenwald lebt und in Basel Stoff zum Schreiben fand. In der Tram zum Beispiel. „Emool si mer z Basel mit de Tram gfahre“. „Mer“ sind in diesem Fall die Frau Mama sowie Hanni und Franz. Anekdoten zum Schmunzeln hielt sie in „Chind un andri Ploge wo glücklich mache“ fest. Der Tenor ist meist freudiger Natur, nahezu jede Episode erzeugt fröhliche Mienen im Raum. „Los chugle: E Halde isch ebe kei Ebni, aber au kei Staigi …, es isch e Schreegi“. Fantasievollen Sprachwitz zeigte Hasswani, ebenso wie ihre Mitstreiter zuvor, um als multikulturelle Alemannin manch eingefleischtem Alemannen ein anerkennendes Nicken zu entlocken.
 

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