Ärzte in Schopfheim auf Kurs

Auf dem Photo das neue „Ärzte in Schopfheim“-Quintett vlnr. Luise Heymuth, Michael Gürtler, Zöhre Wahbi, Julian Lambert und Marianne Merschhemke

Schopfheim (hjh). Seit rund einem Jahr praktizieren die „Ärzte in Schopfheim“. Dr. Julian Lambert und Dr. Michael Gürtler wagten Anfang 2022 den Umzug aus der etablierten Praxis im beschaulichen Hausen in die Markgrafenstadt, in der etliche Kollegen vorwiegend altersbedingt das Handtuch geworfen hatten. In neuen, modernen Räumen machten sich die beiden Ärzte „zum Wohle der Patienten“ an die Arbeit, erweiterten ihr Team um einige „Medizinisch-Technische Assistentinnen“ (MTA), Bürofachkräfte und Auszubildende, stellten Zöhre Wahbi als zusätzliche Ärztin ein und nahmen sich vor, „einen Schwall neuer Patienten ab- oder aufzufangen“ in der Hoffnung, „dass sich das irgendwann mal wieder einpendelt“. Die erfüllte sich nicht. „Wir wurden überrumpelt von einer brutalen Anfrageflut, von einer Welle, die nicht abebbte und die ohne weitere personelle Veränderungen auch deshalb nicht in den Griff zu bekommen war, weil sich unsere Arbeit leider nicht auf die Sorge um unsere Patienten allein beschränkt, sondern sich rasant zunehmend als Kampf gegen die Windmühlen ausufernder Bürokratie entpuppt“, weisen Julian Lambert und Michael Gürtler auf Probleme hin, die sich – für Patienten leider oft nicht sicht-, aber durchaus spürbar – hinter den Kulissen abspiel(t)en und die zum Teil unangenehme Nebenwirkungen zeitig(t)en: „Unsere Mitarbeiterinnen bekommen die Launen unzufriedener Patienten sehr nachhaltig zu spüren, sie werden ungerecht und oft aggressiv angegangen“, bedauert Michael Gürtler. Und Julian Lambert wirbt um Verständnis dafür, „dass sich bei rund 1000 neuen Patienten pro Quartal und um die 5000 Anrufe täglich mit Terminwünschen, Bestellung von Rezepten und Überweisungen oder einfach nur Fragen zu Impfungen auch längere Wartezeiten einfach nicht vermeiden lassen.“

„Wir geben für die Patienten unser Bestes“, versichert der Arzt, schränkt aber auch ein: „Unseren Bemühungen sind Grenzen gesetzt.“ Es fehle an Helferinnen sowohl im medizinisch-technischen Bereich als auch für die anfallenden Büroarbeiten.  „Ein Drittel unseres Personals ist für die Patienten da, zwei Drittel für administrative Aufgaben“, sagen die Ärzte. Und neue Mitarbeiter:innen sind nicht oder nur sehr schwer zu finden. Licht am Ende des Tunnels ist aber dennoch in Sicht. „Ein Glücksfall war, dass wir das Team um zwei auf nun fünf voll ausgebildete und fachlich versierte Ärzte erweitern konnten“, sagte Michael Gürtler und Julian Lambert freut sich: „Seit 1. Oktober stehen unseren Patienten und Patientinnen neben uns beiden und Zöhre Wahbi noch die Frauenärztin Marianne Merschhemke und die Allgemeinmedizinerin Luise Heymuth zur Verfügung.“ Und die Praxisinhaber kündigen an, dass Anfang 2023 „sehr wahrscheinlich“ noch einmal ein bis zwei Mediziner(innen) folgen werden. Damit sei dann endgültig eine Rundum-Versorgung im Schichtbetrieb möglich. Auch der Absicht, eine Akutsprechstunde anzubieten, stünde dann nichts mehr im Weg. Täglich zwei Stunden könne dann die Praxis Patienten mit akuten gesundheitlichen Problemen zur Verfügung stehen.

„All das schaffen wir aus eigener Kraft“, geben die Ärzte zu bedenken. Die Stadt belasse es bei Lippenbekenntnissen. Die neue Ärztin aus Norddeutschland beispielsweise habe einen Kindergartenplatz gesucht, aber keinen bekommen, sagt Julian Lambert. Und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) lasse sie und ihren Betrieb mit dem Argument „im Regen stehen“, dass die Markgrafenstadt im medizinischen Bereich „gut versorgt“ sei, ärgern sich Lambert und Gürtler unisono. Immer wieder werde als Beispiel das MVZ als Problemlösung schlechthin angeführt. Dabei würde wohlweislich „übersehen“, dass diese Praxis, die von der KV großzügig gefördert wurde, ebenfalls unter chronischem Personalmangel leide und dass Patienten von dort zunehmend „flüchten, und zwar zu uns“, sagt Julian Lambert und fügt abschließend hinzu: „Es scheint, dass wir trotz intensivster Bemühungen als Prügelknaben dastehen, auch bei Bewertungen in diversen Online-Portalen, in denen wir vor allem deshalb schlecht wegkommen, weil wir telefonisch nicht immer gleich zu erreichen sind oder es mitunter ein paar Tage dauert, bis ein Termin möglich ist. Das empfinde sein ganzes Team als „ungerecht“, versichert der Arzt und meint: „Schließlich könnten wir es uns wie viele andere Praxen viel leichter machen, wenn wir keine neuen Patienten – und die kommen inzwischen sogar vom Oberrhein und aus dem Markgräflerland – aufnehmen würden.“ Aber: „Wir wollen die von anderen zu verantwortenden Probleme nicht auf dem Rücken kranker Menschen austragen“, beteuern Michael Gürtler und Julian Lambert stolz darauf, die Anfänge in der Roggenbachstraße 58 ohne externe Hilfen, speziell die der KV oder der Stadt, „mit einem hervorragend motivierten Team“ geschafft zu haben.

Info:

Julian Lambert und Michael Gürtler bitten darum, Termine wie auch Bestellungen von Rezepten oder Überweisungen möglichst „online“ (www.aerzte-in-schopfheim.de) oder per eMail (info@aerzte-in-schopfheim.de) zu ordern, um das Telefonnetz zu entlasten, was den Patienten zugutekomme, die mit den Online-Diensten nicht allzu bewandert sind.

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