Rudolf Steck deutet Problemzonen an

Steinen (hjh). Die Genossen sind des Wartens müde. Mit einem Vorschlag zur Bewältigung der immensen Verkehrsprobleme ihrer Gemeinde gehen sie in die Offensive. Ihr Interesse gilt in erster Linie Kindern und alten Menschen. In deren Sinne wollen sie Bahnhofstraße und Wiesenstraße beruhigen, den innerörtlichen Bereich attraktiver machen. Ihr Favorit: „Eine Zweibrückenlösung“ im Westen über Bahn und Wiese statt der derzeit angedachten Variante mit einem Bahnübergang in der Daimlerstraße und einer Brücke hinter dem Spielwaren-Großhändler Fenno. Der SPD-Vorschlag sei, so hieß es bei einem Pressegespräch am Montag in der wegen der Abstandsregeln ausgewählten Steinenberghalle in Schlächtenhaus, „das in vielen Stunden ausgewertete Ergebnis einer Sammlung von Ideen, die bereits vor den Kommunalwahlen 2019 unter Mitwirkung der Agendagruppen und zahlreicher Bürger entstanden ist.“ Die SPD habe sich entschlossen, nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten „keine faulen Kompromisse, die Steinen von oben aufgezwungen werden sollen“, zu dulden. Forsch bläst die rote Fraktion mit ihrem Sprecher Rudolf Steck und dem Ortsverband mit dem Vorsitzenden Martin Kickhöfen im Rücken zur Attacke: „Wir erwarten eine dauerhafte Lösung für Steinen. Und obwohl wir wissen, dass unser Vorschlag, mit dem wir eine hoffentlich nicht furcht-, sondern eine „offene und spannende Diskussion“ anstoßen, nicht billig zu realisieren sein wird, plädieren wir für eine ähnliche wie die von uns angestrebte Lösung. Die Ziele, welche die Gemeinde für ihre Bürger verfolgt, rechtfertigen auch große, maximal mögliche Investitionen.“

„Gerade jetzt, nachdem die Bauarbeiten in Hauingen schon weit fortgeschritten sind, die Umlegung der L 138 in greifbare Nähe rückt und Verkehrsuntersuchungen in und um Steinen unmittelbar bevorstehen“, sei der genau richtige Zeitpunkt, den erarbeiteten Planungsvorschlag zu präsentieren, glaubt Rudolf Steck und weist darauf hin, dass sich die neue Planungsvariante nicht nur der Unterstützung des gesamten Ortsvereins, sondern auch der in dieser Sache stark engagierten Herren Rainer Stickelberger (MdL) und Herbert Baier (Kreisrat) erfreue. Steck und Kickhöfen betonten unisono, dass sie sich zwar auf Gespräche, aber keinesfalls auf Experimente einlassen werden. Sie versicherten, dass die Sachbearbeiter beim Regierungspräsidium, das in diesem Fall die Planungshoheit habe, „offen für Vorschläge aus der Gemeinde“ seien. Und nicht nur das. Rainer Eiche erinnerte daran, dass das Regierungspräsidium sogar Einflussnahmen der Kommune erwarte. Immerhin habe man schon mehrmals angedeutet, dass die Gelder, die in dieses Projekt investiert werden müssten, auch an anderer Stelle durchaus sinnvoll eingesetzt werden könnte. Ein unübersehbarer Wink mit dem Zaunpfahl, sollte man meinen.

Martin Kickhöfen weiß Lösungen

Aber: Außer den Ansätzen aus dem Büro „Regioplan“ sei, so Rudolf Steck, „noch nichts von einem sogenannten Masterplan zu sehen gewesen.“ Er habe keineswegs das Gefühl, dass sich von Seiten der Gemeinde etwas Zukunftsfähiges bewegt, sagte der Fraktionssprecher. Viele der bisherigen Vorstöße seien von den Genossen ausgegangen. Rainer Stickelberger sei es gewesen, der Kontakte zur Bundesbahn geknüpft und erreicht habe, dass die Bahnverantwortlichen, denen schließlich an einem störungsfreien Betrieb der Strecke ohne große Verkehrsbehinderungen durch ständig schließende Schranken gelegen sei, ihre Bereitschaft zu Gesprächen signalisierten. Diese Bereitschaft habe die Corona-Krise leider „ausgebremst“. Aber auch in diesem Fall gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Man dürfe getrost davon ausgehen, dass die kommenden Monate greifbare Ergebnisse bringen werden, sind sich die Genossen sicher.

Die Pläne zeigen zunächst die Problemzonen jetziger Lösungsansätze bzw. Gegebenheiten. Wenn der Bahnübergang beim Bahnhof geschlossen und die jetzige Wiesenbrücke nur noch für den Fuß- und Radverkehr nutzbar ist, wird sich der Blick zunächst und vordergründig auf den Bahnübergang Bahnhofstraße/Wiesenstraße konzentrieren. Steck wandert mit dem Finger auf dem Plan ein Stück weit in den Westen zur Brücke bei Fenno, bei der ein viel zu enger Radius reibungslosen Straßenverkehr verhindere. Und am Bahnübergang Bahnhofstraße/Wiesenstraße   befürchtet Rudolf Steck erhebliche Rückstaus nicht zuletzt wegen der Schranken. Das, so Steck, berge die Gefahr, dass Verkehrsteilnehmer Staus und Behinderungen über Umwege durch benachbarte Straßen innerorts umfahren, „aber genau das wollen wir nicht“, betonte Rudolf Steck. Alle diese Probleme will die SPD mit dem Vorschlag lösen, den anschließend Martin Kickhöfen vorstellte. Im Mittelpunkt: die Zweibrücken-Variante, die im Westen Steinens Brücken über die Bahnlinie und über die Wiese vorsieht und Grundlage der Diskussionen sein soll, an deren Ende die Realisierung der (Er-)Lösung stehen soll, auf die Steinens Bevölkerung seit Jahrzehnten hofft oder besser wartet. Fest stehe: „Wenn der jetzige Übergang beim Bahnhof geschlossen und der Übergang in Höhe der Daimlerstraße offen bleibt, verlagert sich das Problem nur und behindert die Bahn in ihren Entwicklungsmöglichkeiten“, sagte Martin Kickhöfen, der befürchtet, „dass der Bereich Daimlerstraße gar nicht geeignet ist, LKW-Verkehr in größerem Umfang abzuleiten.“ Nach Meinung der Genossen sollten die zu treffenden Maßnahmen aber keine neuen Probleme, sondern größtmögliche Freiheiten schaffen. „Das allein sollte unser Ziel sein“, betonte der SPD-Vorsitzende, der glaubt, mit seinem Vorschlag auch ein paar drängende überörtliche Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen und damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können.

Ziele der Planumsetzung in Kurzform:

+ Verkehrsberuhigung in der Bahnhofstraße tritt ein
+ Bahnhofsbereich wird sicherer (Schüler/ältere Menschen/ Reisende)
+ ein Verkehrsleitsystem in Steinen wird damit angestoßen
+ und eine Aufwertung des Ortskerns  kann angegangen werden