Auf dem Foto vlnr. Josef Brunner, Bernt Hasler, Brigitte Leisinger, Karin Racke, Holger Grüne und THG-Lehrer Christoph Litschka, der das gespendete Notebook für seine Schule in Empfang nahm.

Schopfheim (hjh). Für viele kommt’s „dicke“ in diesen Tagen. Menschen, die helfen wollen, sind massiv unter Druck. Ein Virus versucht, ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und das verflixte Ding macht keine Ausnahmen. Die Segel des Tafelladens in der Markgrafenstadt wurden 2004 gesetzt. Schnell nahm die Tafel mit einer Crew ehrenamtlich engagierter „Kümmerer“ Fahrt auf. Ein florierender Laden wurde aufgebaut, eine tadellose Infrastruktur geschaffen. Das Team um Brigitte Leisinger und ihre Mitstreiter im Vorstand nahm Freunde an Bord, Sponsoren, Geschäftsleute, Mitarbeiter. Fahrzeuge wurden beschafft, Lebensmittel-Discounter für die Idee begeistert, Menschen, die es nicht so üppig haben, zu erschwinglichen Preisen ein Stück des „Kuchens“ abzugeben. Immer mehr Bedürftige nutz(t)en das Angebot der Tafeln im Land. Bis vor wenigen Wochen waren die Kessel in den Nebenräumen der Stadthalle, die vor nicht allzu langer Zeit bezogen werden konnten, unter Dampf. Und nun? Nun ist die Gefahr groß, dass vieles von dem, was mühsam aufgebaut wurde, wegbricht. Der Tafelladen ist geschlossen. Das Wohl von rund 60 Mitarbeitenden hatte in diesem Fall oberste Priorität. Es wurden Lieferdienste eingerichtet. Mehrmals wöchentlich erhalten die Ärmsten der Armen gut gefüllte Tüten mit Lebensmittel, die sie bekanntermaßen normalerweise im Laden erwerben. „Das geht ja nun nicht mehr. Und wir wissen nicht, wann und wie es weitergeht“, bedauert Brigitte Leisinger, die „ihre“ Tafel inzwischen dem Diakonischen Werk anvertraut hat und dem Freundeskreis der Tafel vorsteht. Auf die Frage, warum die Tafeln in Lörrach und Rheinfelden geöffnet sind, weiß Karin Racke, die stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Landkreis Lörrach, eine einleuchtende Antwort: „Diese beiden Städte bieten ganz andere Möglichkeiten. Sie haben einen komplett anders zusammengestellten Mitarbeiterstamm, zu dem auch junge Menschen zählen. Da können wir mit unserer Ü-60-Belegschaft nicht mithalten. Viele unserer Mitarbeiter zählen zur ansteckungsgefährdeten Risikogruppe und bedürfen des ganz besonderen Schutzes. Und nicht zu vergessen: Alle arbeiten hier ehrenamtlich, lediglich der Ladenleiter Bernt Hasler ist fest angestellt. Und der versucht, aus der verfahrenen Situation derzeit das Beste zu machen.“

Zu diesem „Besten“ zählt der Lieferservice, von dem rund 150 Personen bedient werden mit Waren, auf die die Tafel natürlich nach wie vor dringend angewiesen ist. Gott sei Dank, hieß es, ist die Welle der Hilfsbereitschaft noch nicht völlig Opfer der um sich greifenden Flaute geworden. Die Discounter sind nach wie vor bereit, zu helfen. Und wie um zu beweisen, dass der Nachschub ins Tafellager nicht ins stocken geraten ist, rumpelt Heinz Bernauer mit einer Palette voller Lebensmittel nach der anderen an der Gruppe Richtung Lager vorbei, die sich aus gutem Grund zu einem Vor-Ort-Termin versammelt hat: die Tafel erhielt einen Scheck, einen dicken Scheck über 4000 Euro aus der Kasse des „Rotary-Club“ Schopfheim-Wiesental, dessen amtierender Präsident Holger Grüne es sich nicht hatte nehmen lassen, die großzügige Spende persönlich zu überreichen. Der Club habe „in Zeiten der Corona-Krise seine Reserven geöffnet“ und einmal besonders tief in die Kasse gegriffen. Nicht nur die Tafel wurde daraus bedient, sondern u.a. auch das Gymnasium Schönau, das iPads beschaffen will, das THG, das einen hochwertigen Laptop erhielt und das Rainbow House of Hope haben die „Cluberer“ mit 1500 Euro bedacht. Damit wurde der Rotary-Club, eine international agierende Vereinigung berufstätiger Männer und Frauen mit aktuell 42 Mitgliedern im Wiesental, einmal mehr der selbst auferlegten Bereitschaft zu gemeinnützigem Engagement gerecht, das sich in der „Toleranz gegenüber allen Völkern, Religionen, Lebensweisen“ widerspiegeln soll. „Mit der Spende an den Tafelladen möchte der Rotaryclub zum Kauf von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln beitragen und bedürftigen Menschen helfen, weiter durch die Tafel versorgt zu werden, um zu verhindern, dass sie noch weiter in Notlagen hineinrutschen“, betonte Grüne, dem eine ob „dieser großzügigen Geste perplexe“ Brigitte Leisinger im Namen ihrer Klientel natürlich herzlichst dankte und dem Karin Racke versicherte., das Geld gut angelegt zu haben: „Auch uns als neuem Träger der Tafel kommt die Spende sehr gelegen. Denn es ist hier wie in jedem normalen Unternehmen auch: die Kosten laufen einfach weiter und wir haben keine Erlöse jetzt, weil wir ja auch logischerweise nichts verkaufen können. Danke dafür, dass sie gesagt haben: jetzt machen wir das.“

Info

Nach wie vor ist der Tafelladen auf Lebensmittel- und Geldspenden angewiesen. Entgegen genommen werden Spenden auf den üblichen Wegen. Auch die Evangelische Kirchengemeinde hilft. Sie nimmt – „solange die Corona-Krise anhält“ – haltbare Lebensmittel wie etwa Teigwaren, Mehl, Zucker, Salz, Öl, Backzutaten, Kaffee, Tee, Kakao, H-Milch, Dosen mit Gemüse und Obst, Schokolade, Seife, Shampoo, Duschgel, Körper-lotion, Toilettenpapier, etc. in der Stadtkirche zwischen Gitter und Eingangstüre an.